Fliegen im Wasser

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Ein ganzes Schwimmbecken nur für mich – die Erfüllung eines lang gehegten Traums. Zugegeben nicht ganz für mich. Es sind noch sieben Teilnehmer da, sie schwimmen aber nicht chaotisch über die Bahngrenzen, weil sie alle den Kurs von Swim-arts machen. Kraul mit der hierzulande noch recht unbekannten Methode Total Immersion. Die Coaches, Margarethe Denk und Karin Oser, hängen sich wörtlich rein, nämlich ins Wasser, und demonstrieren uns, wie sehr sich Total Immersion von den uns bekannten Schwimmschulen unterscheidet: hängender Kopf, entspannte Hände, kein starker Beinschlag, keine hektischen Armzüge. In der ersten Übung ‚hängen‘ wir einfach im Wasser, um die Unterstützung durch das Wasser selbst zu spüren. Die Philosophie von TI besagt: wie gut man schwimmt, hängt hauptsächlich (70%) von der Wasserlage, also der Balance im Wasser, und dem korrekten Einsatz des Oberkörpers ab. Der Rest ist quasi ein Bonus.

Mühelose und fast schwebende Bewegungen im Wasser, das fühlt sich schon zu Beginn herrlich an, will aber auch geübt sein. Wir sind ja, nicht nur als Schwimmer, gewöhnt, uns abzustrampeln, anzustrengen und abzumühen. Das in esoterischen Kreisen so hoch gerühmte ,Loslassen‘ liegt uns nicht. Aber seit heute habe ich neben der Morgen-Meditation ein weiteres Übungsfeld: Total Immersion!

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Margarethe Denk: Inhaberin von Swim-arts

Natürlich ist es eine komplexe Technik.
Sie ist zwar aus meiner Sicht die einzige ,logische’ menschliche Fortbewegungsart im Wasser. Aber da man die alten Muster wieder ,verlernen‘ muss, bevor der Körper wieder zu den völlig natürlichen und mühelosen Bewegungen findet, will TI halt geübt sein.
Bei den focal points lenkt man die mentale Konzentration bewusst auf nur ein zu übendes Element: die Gleitfähigkeit der Körperhaltung, den Armzug (Propulsion), den Beinschlag oder die Atmung. Für jedes Element gibt es dann verschiedene Übungen.

Natürlich muss ich mich im Vertrauen üben.
Den Kopf hängen lassen, sich der Schwerkraft überlassen – nicht immer so einfach, aber unabdingbar, wenn ich es lernen will: stromlinienförmig schwimmen, also den Körper so formen und positionieren, dass der Wasserwiderstand möglichst klein ist. Um die Körperachse rotieren, in Seitlage schwimmen und dabei den Körper lang machen. Sobald ich es schaffe, mich in diese Bewegungen hinein zu entspannen, fühlt sich mein Körper bei jedem Armzug wie ein nach vorn katapultierter Pfeil an.

Natürlich muss die Macher-Mentalität weichen.
Ein ,ultra effiziente Armzug’, bei dem wir nicht windmühlenartig mit den Armen herumwedeln, entsteht durch die rhythmische Rotation des Körpers. Sie lässt das Wasser um uns herum rollen und erzeugt bereits die Energie, die für den Armzug gebraucht wird, wobei der Impuls bei der Hüfte beginnt und durch die Vorwärtsbewegung des Arms einfach übertragen wird. Der Motor für die Bewegung der Arme sind die Schulterblätter, nicht die Schultergelenke – so werden Schulterverletzungen vermieden. Die Hände sind entspannt. Der Arm wird dann nach vorn unten fallen gelassen. Aus dieser Bewegung in Verbindung mit der Schwerkraft entsteht die nächste Rotation.

Natürlich atmen.
Durch die rhythmisch aufeinander abgestimmten, entspannten Bewegungen ist es tatsächlich möglich, so mühelos wie über Wasser zu atmen. Mein Kopf wird durch die ohnehin stattfindende Rotation leicht zur Seite gerollt, gerade genug, damit ich Luft holen kann. Ich habe es tatsächlich geschafft, ein paar Mal links einzuatmen, ohne das Gefühl zu haben, dass ich ersaufe.

Noch ein Wunder.
Wenn ich den Machbarkeitswahn ein wenig hinter mir lasse, und noch ein wenig weiter hinten den Ziele-Fetisch, dann stelle ich nach vier Stunden Wasser-Zeit und eineinhalb Stunden Video-Analyse der Schwimm-Bewegungen aller Teilnehmer fest: ich bin mehr als 1000 Meter Kraul geschwommen, obwohl ich am Morgen noch behauptete, dass ich nach 100 völlig aus der Puste sei und am nächsten Tag Muskelkater habe.
Das Wohlgefühl bei den Bewegungen kann ich dabei nur als schwebend oder fliegend bezeichnen, leicht und wach zugleich, vollkommen entspannt und bei mir.

Es gibt auch noch viel zu üben, aber Gottseidank ist Swim-arts ja in Basel und gibt auch Einzelcoachings mit persönlicher Video-Analyse!

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