«Herzen» im Salon Anuk

Myriam Wittlin und Urs Bosshardt im Jardin Salon Anuk

Ich bin verliebt… Sie heisst Myriam Wittlin.
Er heisst Urs Bosshardt. Sie haben 30 Jahre Altersunterschied.
Sie ist keck, kraftvoll und weiblich in einem schlichtem Kleidchen, er – sanft und ruhig – sieht aus (und ist!) ein Geschichtenerzähler mit Hut, weckt auf den ersten Blick ein warmes Vertrauen.
Beiden könnte ich so mir nichts, dir nichts die ganze Nacht lang zuhören – und ihnen danach gern noch von mir erzählen. Warum das, was sie machen, definitionsgemäss wohl in die Sparte ,Kleinkunst’ einzuordnen wäre, ist mir schleierhaft. Das Einzige, das an diesem Abend klein ist, ist das Laubendach des Jardin Salon Anuk, wo sie vor dem Regen geschützt ihre Gitarren und Geschichten auspacken. Myriams Stimme schillert und schwingt sich auf zu unzähligen Farben, während er sanft und eher sprechend singt – er erzählt eben. Diese beiden haben die grosse, beglückende Fähigkeit, auf lebendige und unprätentiöse Weise alles zu einer Geschichte werden zu lassen: einen Blick, ein Lächeln, die Geste, mit der sie das Wasserglas zum Mund heben, einen Gitarren-Akkord oder ein gestammeltes Wort. Zusammen ergeben sie geballte Präsenz, Herzenswärme und reine Freude an guten Texten und schlichten Melodien – am tief Menschlichen eben, das uns verbindet: die Gebrochenheit und Schönheit der Welt, unser Hadern und Sehnen, unsere Heiterkeit auch im vergeblichsten Scheitern.

Salon Anuk, einer der geheimen Kulturorte im Kleinbasel, war heute Gastgeber für das Programm «Herzen», Texte und Lieder rund ums Lieben, die dem Schauspiel-Duo am Herzen liegen: eine Schatztruhe mit Entdeckungen, Gesprächen und Inspirationen, die sie während der Jahre ihrer Nachbarschaft am Küchentisch prall gefüllt haben. Ich kann mir bestens vorstellen, wie das vonstatten gegangen ist, mit Wein oder Bier und einem Risotto beim gemeinsamen Austausch. Es ist im Hinterhof der Klingentalstrasse wohl recht ähnlich heute Abend, so als würde das Programm erst hier aus ein paar vorgezeichneten Federstrichen entstehen, so frei und spontan schwingen die Worte und Klänge, so ungezwungen und lustig gehen die beiden mit kleinen ,Patzern’ um, die eigentlich keine sind, sondern nur noch mehr Intimität zaubern. Wir sitzen im tröpfelnden Sommerregen und lauschen gebannt den bunt gemischten Gedichten, Texten und Liedern (von Frisch, Monzo und Gernhardt über Fried und Villon bis hin zu Hesse, Cohen und Morgenstern). Nässe und Plätschern stören längst nicht mehr, sie scheinen im Gegenteil die perfekte sinnlich-melancholische Kulisse zur Schlichtheit, Nachdenklichkeit und Wärme der Texte zu bilden. Kurzweile durch klug gewählte Abwechslung aus Übermütigem, Lustvollem, Heiterem, Skurrilem, Sehnsüchtigem und Schmerzlichem.
Ich möchte die beiden am Ende nur noch ,herzen´, so ist das halt, wenn man verliebt ist…

Der Salon Anuk kann auch für kleinere Veranstaltungen genutzt werden. Für weitere Infos diesbezüglich, wenden Sie sich bitte an Anuk Jovovic.

Im 2. Stock des Salon Anuk hängen derzeit noch Zeichnungen von Jörg Besser.

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